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über die Angst

*

Von Zeit zu Zeit werde ich übermannt von dem

 Wunsch mich abzugrenzen. Dies geschieht vor

allem dann, wenn ich sehr müde und/oder

erschöpft bin – oder aber, wenn ich mich einfach

vor Verletzungen schützen möchte, weil ich mich

Auseinandersetzungen innerlich gerade nicht

gewachsen fühle.

*

Also halte ich es dann wie unsere gute alte

Wildauster im Watt: Ich verschließe mein buntes

Innerstes wie sie ihre hübsche Perle verschließt,

werde sehr wortkarg und distanziere mich von

allen und allem um mich herum.

*

Für eine Weile geht der Plan (scheinbar) auf.-

Die Menschen um mich herum distanzieren sich

nämlich ebenfalls, denn sie nehmen meine

veränderte Ausstrahlung wahr, und somit habe ich

mehr “Ruhe”.

- Was ich aber IMMER nach einer Zeit feststelle

ist, dass die scheinbare Ruhe grundsätzlich

zur kompletten Starre führt.

Und zwar immer.

*

Eigentlich ist es ja auch so logisch: Wo keinerlei

Fluss mehr ist, wo immer ich mich abgrenze von

dem Großen Ganzen, dem Fluss des Lebens,

 gerät alles so sehr ins Stocken bis es schließlich

erstarren muss, denn abseits des Flusses

kann nichts existieren.-

*

Die Ursache für jegliche Abgrenzung / Grenze und das

Ergebnis selbiger sind dabei in – egal welchem Fall -

immer gleich.

Die Ursache ist immer Angst – das Ergebnis ist

immer Starre.

Da Starre ein Zustand ist, der außerhalb jeglicher

Kreativität, Liebe, dem Fluß und dem großen

Funken ist, führt auch sie in letzter Instanz wieder

zu Angst – und somit in einen Teufelskreislauf.

*

Mein Krafttier ist der Bär. – Und zuerst konnte ich

mit diesem Tier nicht wirklich was anfangen -

ich fand einfach, ein Bär passt nicht zu mir.

Später, als ich mich mit Bären

näher befasste, fand ich heraus, dass sie Honig

lieben – ……….ach ja….. :-)

 Des weiteren halten Bären, nachdem sie einen

langen, anstrengenden Sommer lang gejagt,

die Jungen großgezogen sich um ihr Revier und ihren

Winterspeck gekümmert haben, Winterschlaf.

Sie ziehen sich in ihre Höhle zurück, um sich

auszuruhen, und neue Kräfte für den nächsten

Sommer zu tanken.

*

Ich weiß wohl, dass wenn ich lebe wie ein

Bär…also mich im Winter ausruhe, mich in mich

zurückziehe und von den Reserven zehre, für

die ich den Sommer über geschuftet habe, wenn

ich unbedingt auf diesen tiefen Rhythmus in mir

höre und ihm nachgebe…-dann kann ich im Frühling

wieder hervorkriechen und meine Welt neu erfinden.

Ich weiß das.

Und dennoch ist es oft so schwer, sich daran zu

erinnern.

Manchmal scheint es einfacher zu sein, eine Grenze

zu ziehen, oder sich abzugrenzen, als einfach dem

großen Ganzen zu folgen, das einen Plan hat,

und niemals falsch liegt.

*

Heute Abend, als ich die Nachrichten im Internet

sah, drehte sich dort wie in den letzten Wochen

auch, alles um “Grenzen” und “sich abgrenzen”.

 Angst ist die Ursache – und zwar bei denen, die

sich abgrenzen genauso, wie bei denen, die

flüchten, wie bei denen, die schießen, wie

bei denen, die Munition liefern, wie bei denen,

die die Munition herstellen.

Und das Ergebnis wird Starre sein, die wiederum

Angst erzeugt.

*

Da habe ich mich gefragt, ob ein jeder Mensch JEMALS

die Ursache dafür eine Grenze ziehen zu wollen oder

sich vom Großen Ganzen abgrenzen zu wollen

- also ANGST -

dadurch auflösen könnte, dass er sich

auf sein ureigenes Lied besinnt / auf sein Krafttier

und die Lektion, die er zu lernen hat…?

*

…Wenn man es ganz zurückdreht- unser großes

Ganzes…. und diesen Funken in jedem einzelnen

Menschen wieder erwecken würde – wäre dieser

Schritt dann nicht letztlich der Schlüssel

 zu ALLEM…?

*

Einfach so …..in uns selbst….?

- Alle Bilder sind heute Abend beim Abendbrot

entstanden; dies ist der Blick von unserem

Esszimmertisch.

Heute – gab es ein Stück vom Regenbogen.

1 Kommentare

  1. Alexandra schreibt:

    Hallo,

    wow, ein sehr schöner Beitrag, ich bin begeistert und finde mich in jedem Wort wieder…kenne das Gefühl und die Situation nur zu genau, es geht mir sehr oft genau gleich….und ich weiss dann auch nicht, wie da wieder rauskommen. Die Situation annehmen, denke ich, ist da genau das richtige und das Wissen, dass es auch wieder anders, besser, kommt.
    Liebe Grüsse
    Alexandra

    21. September 2015 @ 09:14

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