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das Lied der Seele

 

Ich mag den Winter sehr, den wir dieses Jahr haben.

Er ist so sanft, still und leise.

Oft ist meine liebe kleine Insel in ein weiches Seenebelkleid

gehüllt, bei milden 5° Grad, ohne Wind.

Und die Stille liegt dann über ihr genauso wie der Nebel. Der Strand,

die Dünen und die Wiesen gehören einzig den unzähligen Vögeln,

die schon wiedergekommen oder gar nicht weggeflogen sind – wer

weiß….

und wenn es hier so still ist wie jetzt gerade, hört man plötzlich viel

mehr. Jedes klitzekleine Rascheln, jedes Huschen, jedes Vögelchen,

jedes Knacken im Unterholz hat eine besondere Lautstärke und eine

eigene Stimme.

Im Schamanismus sagt man, daß alles eine Seele besitzt.

Die Tiere und Pflanzen sind genauso beseelt wie Steine,

das kleinste Sandkorn – aber auch Computer, Tische, Messer & Gabel,

und alles, was man täglich gebraucht, denn es gibt nichts von all

dem, was wir täglich benutzen, daß nicht aus der Erde kommt.

Wenn man in dieser stillen Zeit über die Insel streift, kann

man spüren, wie tatsächlich lebendig alles ist.

Man spürt, daß alles sein eigenes Licht und sein eigenes

Lied hat.

Das Meer, daß sich seit tausenden von Jahren an den Stränden

und Küsten bricht, singt ein Lied. Man kann es hören, wenn

man am Ufer steht. Es hat ein großes Gedächtnis und ist

sehr alt. Der Wind, der mal aus Ost und mal aus West weht,

singt das Lied der Mutter Erde, und der großen Passatwinde,

die sie umwehen.

Das Lied ist in dem Rauschen der Blätter in den Bäumen,

in den Grashalmen – aber: Auch in Dir selbst.-

Vor kurzem las ich über einen Stamm in Afrika.

In diesem Stamm wird das Lebensalter eines Kindes nicht vom Tag

seiner Geburt an gerechnet, sondern von dem Tag an, an dem es

zum ersten Mal ein Gedanke im Herzen seiner Mutter war :-)

Wenn sich diese Frau dann tatsächlich ein Kind wünscht, dann geht

sie weit weg abseits ihres Stammes, und setzt sich still unter einen

Baum. Dort lauscht sie in sich hinein, bis sie ein Summen in ihrem

Herzen hören kann, aus dem schließlich eine Melodie wird.

Es ist das Lied ihres ungeborenen Kindes.

Wenn sie diese Melodie dann singen kann, geht sie zu ihrem Mann

und bringt ihm das Lied bei. Bevor sie sich lieben, singen sie es

gemeinsam, um das Kind zu sich einzuladen. Wenn es dann geboren

ist, bringen sie die Melodie den Großeltern, den älteren Geschwistern,

Nachbarn und Freunden und allen anderen Dorfbewohnern bei. Wann

immer dem Kind etwas geschieht oder es unglücklich ist, singt ihm

jemand sein Lied.

Und sollte es in späteren Jahren einmal von dem rechten Weg

abkommen und unrechtes tun, dann wird es vom Stamm

herbeigerufen und alle Stammesmitglieder stehen um es herum

und singen ihm sein Lied.

Dieser Stamm ist davon überzeugt, daß Gewalt, Sanktionen

und Strafen nicht helfen, das ursprüngliche Gleichgewicht in

einem Menschen wiederherzustellen.-

Sondern einzig, daß man an seine Wurzeln erinnert wird.

Daran, wo man herkommt.

Und wer man ist.

Auch, wenn uns heutzutage niemand unser Lied beigebracht hat,

können wir es hören, wenn wir in uns selbst versinken

wie in einem stillen Meer.

Und auch, wenn Du nicht musikalisch bist….wenn Du lernst,

Dein Lied gut zu singen – und sei es nur im Herzen -

wirst Du immer wieder nach Hause finden.

2 Kommentare

  1. Nora schreibt:

    oh wow…. das ist ja ein wunderschöner gedanke. dieser brauch mit dem lied ist fast schon poesie, wunderschön, wie nah sich diese menschen mit der natur und sich selbst fühlen müssen….

    herzensgrüße auf die lieblingsinsel!!

    nora

    17. Januar 2014 @ 11:44

  2. Susanne schreibt:

    Liebe Christiane,
    Eine wirklich bezaubernde Geschichte..
    Und es ist so wichtig, dass wir lernen und uns wieder darauf besinnen in uns hinein zu horchen, mehr auf unser Gefühl hören als auf den verstand. Denn alles was wir mit liebe tun ist richtig. Leider haben wir das oft verlernt aber wir haben jetzt die Chance das zu ändern. Dieses Jahr ist geprägt durch Veränderungen und wir dürfen daran teilhaben. Wie müssen nur auf unser Gefühl achten und das es sich gut anfühlt was wir tun und leben. Authentisch bleiben und im Einklang mit dem was wir lieben.

    Alles liebe und schönes wochenende

    Susanne

    17. Januar 2014 @ 19:10

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